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Deutschland ist das Thema dieses Abends, in einem Programm von 2 x 45 Minuten, mit - historischen Streiflichtern, - Szenen aus dem gegenwärtigen Alltagsleben der Republik, - Betrachtungen zu Identität, Heimat und Nation, - traditionellen und neuen Liedern und - deutschen Wachträumen. Die Freiheit begegnete mir in Gestalt einer schönen jungen Frau, als ich gerade ein Wahllokal verließ. "Ja Freiheit, was machst denn du hier?" "Was glaubst denn du? Ich gebe meine Stimme ab. Mach mir das nicht so schlecht!" Anlaß für die Beschäftigung mit dem Thema Deutschland waren die vielen schwarz-rot-goldenen Fahnen bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 und die Frage nach den Motiven der neuen Begeisterung für das eigene Land. Den Hintergrund im deutschen Selbstverständnis bilden die Verdächtigung des Wortes "wir", sofern es sich auf Deutschland bezieht und der Hang zur Distanzierung vom eigenen Staat, die jahrzehntelang den Ton im Land angegeben haben. Das erste Programm zu diesem Gegenstand schrieb Christof Stählin im Jahr 1986: "Mag denn keiner die Bundesrepublik?" Die Frage ist die gleiche geblieben, die Zeiten haben sich geändert. Europäische Vereinigung und Globalisierung haben, wie in anderen Ländern auch, die Frage nach der nationalen Geschichte und Zusammengehörigkeit neu belebt. Für einen Poeten, Sänger und Erzähler liegt die Antwort nicht in theoretischen Erwägungen als in dem angeschlagenen Ton und der Atmosphäre, die dadurch entsteht: Leitkultur für ein Theater und sein Publikum, jeweils für einen Abend. Uraufführung im Mainzer Unterhaus am 29.2.2008
Das ist ein Programm über Deutschland. Was ich genau unter Deutschland verstehe? Das kann ich sehr klar mit einem einzigen Wort beantworten: Deutschland. Wir ham den Krieg verlorn, soviel ist klar. Das sag ich ohne Schnörkel, lapidar. Verloren gottseidank und ganz zu recht. Doch wer darüber jubelt, jubelt schlecht. Wer sagt da noch, man hätte uns befreit? Wir haben den Krieg verloren. Tut mir leid. Sagt ein Dominostein zum anderen: "Wo waren wir stehengeblieben?" Liebeserklärung an mein Land: "Ich liebe dich. Ich bitte um Dein Verständnis." Ich sagte: "Klasse statt Masse!" da sagte die Masse: "Klasse!" Sie prügeln auf einen Staat ein, der sich das gefallen läßt. Recht haben sie. Eine Gratwanderung heiratete ein Minenfeld. Ihr Kind war ein Ballett. |
Allgemeine Zeitung Mainz 3. März 2008 |